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ETN-Zwischenbilanz 1. Quartal 2019
FÖRDERVEREIN ARYCAN Gran Canaria e.V.
Kaum zu glauben wie die Zeit vergeht… der Abschlussbericht für 2018 ist gerade online, da ist auch schon wieder das erste Quartal 2019 zu Ende. Allein im ersten Quartal wurden wieder fast 600 Tiere kastriert – eine großartige Zahl, die auch durch eine weitere Kastrationsaktion in Santa Brigida erreicht werden konnte (einen ausführlichen Bericht dazu gibt es unter den aktuellen Projekten). Gerne würden wir diese Aktionen noch ausweiten, in mehr Gemeinden kastrieren, mehrere Tage kastrieren – überhaupt einfach noch mehr tun! Vieles ist in Planung… aber wie so oft, mahlen die Behördenmühlen langsam. OK, es tut sich vieles auf den Kanaren… aber für unseren Geschmack könnte es schneller gehen. Könnte es ja aber immer… Andrea steckt voller Tatendrang, der „Haustierpakt“ ist verabschiedet… hier die Übersetzung:
Falls man es auf den Fotos nicht gut lesen kann – hier noch einmal der Text des Paktes: „Das für die Verwaltung der Insel zuständige Cabildo de Gran Canaria und die Ayuntamientos, welche die Städte und Gemeinden der Insel verwalten, haben eine gemeinsame Vision, welche heute die Unterzeichnung dieses PAKTES ZUM WOHL DER TIERE AUF GRAN CANARIA auf Grundlage der Allgemeinen Erklärung von Tierrechten der UNESCO beinhaltet. Wir übernehmen Verantwortung und verpflichten uns, Hand in Hand mit den Bürgern ein Projekt ins Leben zu rufen, um dafür Sorge zu tragen, dass Haustieren auf Gran Canaria ein würdevoller Umgang zugutekommt sowie dafür, dass Misshandlungen und das willkürliche Aussetzen von Lebewesen ein Ende haben. PRÄAMBEL Gran Canaria belegt im Hinblick auf das Aussetzen von Tieren einen traurigen Spitzenplatz in Europa: 2018 wurden 3.258 Tiere der Auffangstation übergeben und eine vergleichbare Zahl von Tieren wurde direkt von den Tierschutz- vereinen betreut. Die Bürger Gran Canarias nehmen derartige, für unterentwickelte Regionen typische Zustände nicht länger hin. Behörden müssen im Rahmen ihrer Verantwortlichkeiten Maßnahmen ergreifen, die auf eine Verbesserung dieser Zustände abzielen, denn hier werden ethische Werte der Allgemeinheit verletzt. Behörden müssen in Zusammenarbeit mit anderen Beteiligten die Bemühungen verstärken, damit diesem Missstand des Aussetzens begegnet werden kann. Denn letztendlich handelt es sich dabei um nichts anderes, als eine grausame Art von Misshandlung und es muss garantiert werden, dass Haustieren eine würdevolle Behandlung zugutekommt. Es liegt in der Verantwortung der Behörden, die Interessen der Bürger zu wahren und deshalb sollten sie auf deren Forderungen reagieren. Die Gesellschaft ist nicht länger dazu bereit, das Einschläfern von Tieren aufgrund von Platzmangel in den Auffangstationen oder ein lebenslanges Einpferchen in Tierheimen hinzunehmen. Wir halten es für notwendig, gemeinsam einen dringlichen inselweiten Aktionsplan auszuarbeiten, denn wir sind der Ansicht, dass für eine nachhaltige Lösung dieser unhaltbaren Situation übergreifende Präventivmaßnahmen zur Bekämpfung der Ursachen ergriffen werden müssen. In diesem Teilplan sollen die Grundlagen für den künftigen übergreifenden Maßnahmenplan für das Wohl der Tiere auf Gran Canaria festgelegt werden. Die ist somit ein Plan, um festzulegen, wie der Problematik der Massenhaltung in Zwingern entgegenzutreten und ein ganzheitliches System zu fördern ist, das Einrichtungen für die Betreuung derjenigen Tiere einschließt, die auf eine verantwortungsbewusste Adoption warten. Die Umsetzung dieses Plans, mit dem die verschiedenen Institutionen ihren Willen für einen Wandel durch Unterzeichnung dieses Inselpaktes unterstreichen, bedeutet einen sozialen Fortschritt und das Ende des von Menschen ohne ethische Werte verursachten gravierenden Problems. Dies sind Menschen, die diese kriminelle Verhaltensweise normalisiert haben, weil es in der Praxis zu keinen strafrechtlichen Konsequenzen führt. So wird der Bevölkerungsmehrheit in finanzieller und ethischer Hinsicht ein unfassbares Ausmaß an Gleichgültigkeit zugemutet und Tiere Misshandlungen ausgesetzt, die sie häufig ihr Leben lang erleiden und die unter keinen Umständen gerechtfertigt werden können. DIE VEREINBARUNGEN BEINHALTEN DESHALB • eine koordinierte und einvernehmliche Zusammenarbeit mit anderen Behörden auf lokaler Ebene und inselweit sowie mit Sozialbeauftragten für das Wohl der Tiere auf Gran Canaria und gegen Misshandlungen jedweder Art, wobei das Aussetzen von Tieren als grausame Art der Misshandlung gilt; • das Umsetzen eines dringlichen inselweiten Sofortaktionsplans • die Beteiligung an der Ausarbeitung eines übergreifenden Maßnahmenplans für das Wohl der Tiere • das Ergreifen aller erdenklicher Maßnahmen in allen Gemeinden zur drastischen Reduzierung der Zahl der ausgesetzten Tiere, denn nur so kann in der Auffangstation der Albergue Insular die Lebensqualität der dort aufgenommenen Tiere gewährleistet werden, die Massenhaltung verringert und das Einschläfern wegen Platzmangel vermieden werden; • die Übernahme der Verpflichtungen vonseiten aller Behörden, die im Rahmen ihrer Kompetenzen auf sie entfallen, um den Ursachen des Problems, nämlich dem Aussetzen von Tieren, entgegenzuwirken, denn Vorbeugung ist oberste Priorität und zu diesem Zweck sind von jeder Behörde die erforderlichen technischen und finanziellen Mittel zur Verfügung zu stellen.“ WIR UNTERSTÜTZEN FOLGENDE MASSNAHMEN DES DRINGLICHEN SOFORTAKTIONSPLANS: • Einrichten von zunächst vierteljährlich, später halbjährlich stattfindenden Arbeitsgruppen zwischen den Verantwortlichen des Cabildo de Gran Canaria (Präsident und Ressortleiter/in) und den Bürgermeistern und Bürgermeisterinnen der Städte und Gemeinden zwecks Auswertung der Berichte und getroffenen Maßnahmen und Ausarbeitung entsprechender Entscheidungen; • Vereinheitlichen und Aktualisieren der städtischen Verordnungen, einschließlich der Vorschriften im Hinblick auf die Protokolle für die Aufnahme von Tieren; Aufstellen eines Punkteplans, der die zu befolgenden Schritte vom Auftauchen eines ausgesetzten Tieres mit oder ohne Chip zur Identifizierung bis zum Abschluss der in die Verantwortung der Städte und Gemeinde fallenden Maßnahmen enthält;  Aktualisieren des Abkommens zur Zusammenarbeit zwischen den Städten und Gemeinden und dem Cabildo hinsichtlich der Verwaltung der Auffangstation der „Albergue Insular de Animales“; • Zuweisen der erforderlichen Mittel in den Haushaltsplänen und Festlegen von Strukturen in allen Städten und Gemeinden, die den einwandfreien Ablauf der Aufnahme von ausgesetzten oder entlaufenen Tieren sowie Anzeigen, Strafen, Geldbußen, Tierkontrollen und jedwede anderen Maßnahmen sicherstellen, die der Tierschutz erfordert und zwar unter Ausarbeitung unmissverständlicher Protokolle und Zusicherung der Lebensqualität der in den Einrichtungen untergebrachten Tiere sowie deren Adoptionen in verantwortungsvolle Haltung fördern; • Ausarbeiten von schriftlichen Beurteilungen der Zustände in allen Städten und Gemeinden, die alle zwei Jahre überarbeitet werden und somit das Erstellen einer umfassenden Karte über die Problematik auf der Insel einschließlich aller Sonderfälle ermöglicht; • Einleiten einer Untersuchung über die Notwendigkeit der Einrichtung von Tierheimen in Städten, Gemeinden oder Gemeindezusammenschlüssen, die zur Unterbringung von ausgesetzten Tieren geeignet sind, zur Reduzierung der Massenhaltung in der Auffangstation der Albergue Insular beitragen und die Bürgern die verantwortungsbewusste Adoption eines Tieres in der Nähe erleichtern und den ungeregelten Austausch von Tieren verhindern; • die Verpflichtung der Inselverwaltung von Gran Canaria, Weiterbildungsmaßnahmen und Sensibilisierungskurse für Sozialbeauftragte, Polizeibedienstete und Verantwortliche der Städte und Gemeinden anzubieten, und die Verpflichtung der Stadt- und Gemeindeverwaltungen, diesen die Teilnahme zu ermöglichen; • die Verpflichtung der Stadt- und Gemeindeverwaltungen zur Unterzeichnung des Abkommens mit der Tierärztekammer zwecks Zugriff auf das kanarische Haustierregister ZOOCAN und zwecks sachgemäßer Nutzung der Daten der in den Städten und Gemeinden gemeldeten und ausgesetzten Tiere; • Durchführung in allen Städten und Gemeinden von jährlichen Kampagnen zur Impfung, Registrierung mit Chip und Sterilisation durch, was denjenigen Tierhaltern kostengünstiger oder kostenlos angeboten wird, die sich durch Bescheinigung von ihrer jeweiligen Stadt- oder Gemeindeverwaltung als einkommensschwach ausweisen können, und die Organisation dieser Kampagnen seitens der Inselverwaltung in Zusammenarbeit mit den Stadt- und Gemeindeverwaltungen, der Föderation FAUDA, der Tierärztekammer und all denjenigen örtlichen Tierkliniken, die sich an der Vermeidung nicht erwünschter Würfe als Hauptgrund für das Aussetzen von Tieren beteiligen möchten; • Verpflichtung aller Stadt- und Gemeindeverwaltungen zur Durchführung regelmäßiger Kontrollen hinsichtlich der Kennzeichnungspflicht der Tiere - insbesondere bei denjenigen Besitzern, die ihre Tiere unter prekären Bedingungen halten - und dementsprechenden Überprüfungen und Abmahnungen, wobei Inselverwaltung und Tierärztekammer den örtlichen Behörden Chiplesegeräte zur Verfügung stellen; • Durchführung von Kampagnen zur Massenkastration von Katzen aus ordnungsgemäß registrierten Kolonien als einzig ethisch vertretbare Methode zur Kontrolle der Straßenkatzenpopulation durch alle Stadt- und Gemeinde- verwaltungen; • Organisation einer Zusammenarbeit aller Stadt- und Gemeindeverwaltungen mit der Inselverwaltung Gran Canarias und Sozialbeauftragten bei Aufklärungs- und Sensibilisierungskampagnen über verantwortungsvolle Haustierhaltung in Schulen, Bürgervereinigungen und anderweitigen informationsbedürftigen Einrichtungen.“ Aber es müssen ja immer jede Menge Leute bei diesen Aktionen unter einen Hut gebracht werden. Die freiwilligen Helfer sind immer noch die flexibelsten, aber es müssen ja auch Abkommen mit den Gemeinden geschlossen werden, Räume müssen gefunden und zur Verfügung gestellt werden, die Tierärztekammer muss zustimmen und uns noch einen Teil der Ausrüstung leihen. Gerne würden wir das Ganze weiter „vereinfachen“. Es würde schon erheblich helfen, wenn wir die komplette Ausstattung für solche Aktionen selbst besitzen würden und uns nicht noch Sachen bei der Tierärztekammer oder der Uni leihen müssten. Denn die müssen natürlich auch immer zu sehen, dass sie ihre Ausstattung an den geplanten Terminen nicht selbst irgendwo anders brauchen. Uns fehlen da aktuell „nur“ noch 6 OP-Tische, 4 OP-Lampen und ca. 50 Instrumentensätze… alles andere haben wir mittlerweile zusammen :o) Aber aktuell lässt unsere Finanzlage aufgrund der ganzen Notfälle im letzten Quartal 2018 und in den ersten Monaten 2019 keine weiteren teuren Anschaffungen zu. Also heißt es erstmal für Andrea weiter „Koordinieren, organisieren, diskutieren“. Jede Menge Leute und Termine abstimmen und dann endlich mal wieder richtig arbeiten :o) Aber auch wenn es (etwas) einfacher ginge – die Erfolge der letzten Jahre sind wirklich beachtlich! Zu Beginn des Projektes, im Sommer 2015 als wir beim ETN unseren Förderantrag einreichten, sah alles noch ganz anders aus. Wenn man überlegt, was sich seitdem getan hat, kann man sich -trotz aller Steine, die immer noch manchmal im Weg liegen- ein dickes Grinsen nicht verkneifen :o)
(April 2019)