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© Förderverein Arycan Gran Canaria e.V.
Blinder Hund? Tauber Hund? Na und!
Diesen Text hier schreibe ich, weil ich meine Erfahrung mit einem Handicap-Hund weitergeben will.   Und weil ich möchte, dass die Menschen weniger Angst haben, sich auf einen solchen Hund einzulassen.  Denn ich war auch so. Ich wollte keinen blinden Hund, ich wollte keinen tauben Hund.   Gerne alt oder älter, aber wie soll ich mit einem Hund klarkommen, der solche Einschränkungen hat…?   Das geht gar nicht – so meine jahrelange Meinung. Dann ist Angel hier eingezogen. Sie war eine kleine und alte Podenca aus einer Tötung auf Mallorca. Und sie war taub. Das wusste ich jedoch bei der Vermittlung nicht, sondern habe es erst festgestellt,  nachdem sie hier gewohnt hat. Anfangs war ich völlig zerstört. Es wäre zwar niemals in Frage gekommen, den Hund deshalb wieder abzugeben. Aber ich hatte Angst, dass es mich und unser Rudel überfordert.   Heute weiß ich – es war unbegründete Angst. Die Hunde haben vor mir gemerkt, dass mit Angel etwas anders ist. Ich will nicht so weit gehen, dass ich sage: sie wussten, dass sie taub ist. Aber sie haben Rücksicht auf sie genommen. Unglaublich…. Das hätte ich nie vermutet. Und auch ich habe gelernt, mit einem tauben Hund umzugehen und sie auf Handzeichen zu konditionieren. Und trotz dass ich ja wusste, dass sie mich nicht hören kann, habe ich mit ihr geredet wie mit einem hörenden Hund, weil ich immer wieder ihre Taubheit "vergessen" habe.   Mit der Zeit wurde ich dann gelassener was das Thema Handicap angeht.   Und so ist dann Cally hier eingezogen. Er hatte die Diagnose „Grauer Star“. In der Slowakei, wo er im TH saß, hätte er keine Vermittlungschance gehabt. Und auch in Deutschland eher schlechte Chancen, weil er zudem noch etwas eigenwillig und schwierig war. Also habe ich mir im Internet so ziemlich alles über grauen Star angelesen und habe beschlossen es zu wagen: er soll zu uns ziehen. Und wir werden versuchen, ihn mit einer OP zu einem sehenden Hund zu machen. Er zog ein, die OP hat leider nicht geklappt. Cally war blind. Es hat mich völlig fertig gemacht. Hatte ich doch so gehofft, dass wir ihm helfen können, dass er wieder sehen kann. Für mein Denken hatte er kein lebenswertes Leben. Cally jedoch hat mich eines Besseren belehrt. Für ihn wäre nicht riechen zu können, sicher schlimmer gewesen. Cally hat hier ein völlig normales Hundeleben gelebt. Er hat Blödsinn gemacht wie ein sehender Hund und sich hier in Haus und Garten so sicher bewegt, dass ein Fremder niemals bemerkt hätte dass er blind ist. Auch Spazierwege die er kannte ging er an einer 8-Meter-Flex absolut souverän. Natürlich kann ich keinen blinden Hund ohne Leine laufen lassen. Aber auch auf fremden Wegen hat er sich immer sehr an mir und dem Rudel orientiert. Trotzdem muss man immer ein wenig mehr auf einen blinden Hund als auf einen Sehenden achten. Was ihm immer besonders viel Spaß gemacht hat, waren Suchspiele. Ich habe im Haus Leckerlie versteckt und er durfte sie suchen gehen. Dabei war er so schnell und so geschickt, dass er alle Rekorde gebrochen hat. Keiner der sehenden Hunde war auch nur annähernd so gut darin wie er.
Also: es ist kein Problem einem blinden oder tauben Hund ein neues Zuhause zu geben.   Die Integration ist eine andere, das Arbeiten mit dem Hund ist ein anderes wie mit einem sehenden oder hörenden Hund. Aber ist es nur anders. Nicht schwierig und schon gar nicht unmöglich. Auch ein bereits vorhandenes Rudel stellte bei uns kein Problem dar. Die Hunde merken, dass DER anders ist. Es war auch für uns eine ganz neue Erfahrung die wir machen konnten. Das Beobachten der Hunde und ihres Verhaltens ist absolut einzigartig.   Wir haben durch sie sehr viel gelernt, besonders dass man keine Vorurteile gegen einen Handicap-Hund haben soll. Man soll ihn einfach so annehmen wie er ist – so wie ein Hund es auch tut. © Petra Altmann